Kessi (Clarissa)

02.01.2004
Viele liebe Grüsse von unserem traumhaften Winterurlaub (22.12.-01.01.04) in Oberammergau

sendet Familie E.

10.08.2003
Hallo,
gestern hatten wir wie schon im letzten Jahr Ferienspiele auf dem Hundeplatz. Kessi hatte viel Spass mit den Kindern. In der Anlage übersende ich den heutigen Zeitungsartikel mit Bild, auf dem Kessi ganz gut zu erkennen ist.

Viele Grüsse
B. E.

Hallo,
mein Name ist Kessi. Ich bin jetzt ca. 18 Monate alt, Widerristhöhe 40 cm, beiges, etwas gewelltes Fell mit weissen Pfoten, weisser Brust und weisser Schwanzspitze, wunderschönen grossen braunen Augen (sieht aus wie mit Kajalstift umrandet), und ich bin ehemalige rumänische Strassenhündin. Ich möchte Euch gerne meine Geschichte erzählen, damit Ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie anpassungs- und lernfähig wir Strassenhunde sind. Wenn unsere Besitzer ein wenig Einfühlungsvermögen, Geduld und Zeit für uns haben, dann entwickeln wir uns nämlich schnell zu einem vorzeigbaren Familienhund.
Aber nun zu meiner Geschichte: Im April 2002 wurde ich in Bukarest von einer lieben Frau gefunden. Mein Zustand war damals erbärmlich. Ich hatte stumpfes, dünnes Fell, und war halbverhungert. Glücklicherweise brachte mich die Frau zu Jean-Alain Grumbach, bei dem ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder satt fressen konnte. In den nächsten Wochen erholte ich mich zunehmend und wurde dem Tierarzt vorgestellt, der mir beste Gesundheit bescheinigte. Ich wurde entwurmt und geimpft. Mein zukünftiges Frauchen suchte zu dieser Zeit einen kleinen temperamentvollen und verspielten Hund, der menschenbezogen sein sollte, und sich gut mit anderen Vierbeinern verträgt. Da sie Wuschelhunde unwiderstehlich findet, sollte der zukünftige Hund auch nicht ganz glatthaarig sein. Zufällig fand sie auf der Homepage von Hand & Pfote meine Beschreibung, die ganz genau ihren Vorstellungen entsprach. Schnell war der Kontak zu Hartmut John hergestellt, der ihr ein Bild von mir zuschickte. Zwar war ich da noch sehr dünn, aber irgendwie war es bei meinem Frauchen Liebe auf den ersten Blick. Sie holte mich zusammen mit meinem Herrchen Anfang Juli bei Karin Herma ab, die so lieb war und mich nach Deutschland gebracht hatte. Während der Heimfahrt benahm ich mich vorbildlich, schlief fast die ganze Zeit. In meinem neuen Zuhause erwartete mich dann die erste Überraschung. Da waren ja noch zwei Wuschels, und auch noch Rüden! Ich kam also in ein richtiges Hunderudel und ich verstand mich auf Anhieb mit ihnen. Die ersten beiden Tage ließ Frauchen mich nicht von der Leine, aus Angst, ich könnte einfach abhauen. Sie wußte nicht, dass mir das im Traum nicht einfallen würde, jetzt, wo ich das Paradies auf Erden gefunden hatte. Frauchen merkte das aber sehr schnell, und endlich durfte ich meinem Temperament freien Lauf lassen und über die Wiesen und Felder fegen. Mein Rudel verlor ich dabei aber nie aus den Augen. Im Laufe der nächsten Wochen wandte Frauchen eine unwiderstehliche Taktik an, um mir – wie sie es nannte – Gehorsam beizubringen. Ich liebte sie von Tag zu Tag mehr und in Verbindung mit den tollsten Leckerlies war ich bereit, einfach alles für sie zu tun. Sie fuhr mit mir zum Hundeplatz und zeigte mir verschiedene Hindernisse. Da war ich doch gleich in meinem Element, denn schon in Bukarest bin ich immer ganz flink über Hindernisse geklettert. Sie nannten es hier „Agility“ und es machte mir von Anfang so viel Spass, dass ich schon im Oktober bei der Vereins-meisterschaft in der Klasse Midi A0 den ersten Platz belegte.

Aber man möchte ja nicht immer nur trainieren, sondern auch mal an richtigen Turnieren teilnehmen. Dafür brauchte ich aber eine Ausbildung zum anerkannten Begleithund. Pfiffig und intelligent, wie ich nun mal bin, stellte das für mich kein Problem dar. Obwohl mein Frauchen bei der Prüfung ganz schön nervös war, bestand ich souverän am 12. April 2003 als Jüngste von 12 Teilnehmern im Alter von gerade mal 16 Monaten (Mindestzulassungsalter 15 Monate) die Begleithundprüfung mit der höchsten Wertnote „V“ = vorzüglich. Das war das zweitbeste Prüfungsergebnis an diesem Tag, und der Richter lobte mein ausgeglichenes Wesen und meine gute Bindung zu meinem Frauchen. Zwei Wochen später belegte ich bei meinem ersten Agility-Anfängerturnier im Jumping Platz 2 und im A-Lauf Platz 3.
 
Es folgte am 4. Mai ein 1. Platz in Kaiserslautern, am 18. Mai ein 2. Platz in Edingen und am 25. Mai wiederum ein 1. Platz in Mutterstadt. Ja, da staunt ihr – mein Frauchen und ich sind schon ein tolles Team.
Übrigens, mein helles Fell glänzt jetzt so schön, dass es in der Sonne blendet. Die Menschen sagen immer, ich sei eine „Naturschönheit“. Keine Ahnung was das ist, aber es muß etwas sein, was die Zweibeiner dazu veranlasst, mich immer zu streicheln und zu loben. Auch wollten verschiedene Leute mich meinem Frauchen schon abkaufen. Selbstverständlich würde sie mich um alles Geld der Welt nicht mehr hergeben. Aber so sind viele Menschen. Wollen am liebsten gleich einen fertig ausgebildeten Hund, damit sie keine Arbeit mehr haben. Dabei wissen sie nicht, dass die Arbeit im Team so viel Spass machen kann. Es muss ja nicht jeder gleich Hundesport betreiben, aber mit solch einem erzogenen Familienhund wie ich es mittlerweile bin, ist man überall willkommen. Dabei bin ich bestimmt keine Ausnahme. Es warten in Bukarest noch viele vierbeinige „Rohdiamanten“ auf eine liebe, einfühlsame Familie. 

Eure Kessi

Lieber Herr Grumbach (und Frau Herma),
ich habe mich sehr über Ihre mail gefreut. Nicht Sie müssen sich bei uns bedanken, sondern wir bei Ihnen. Der Abschied von Kessi muss Ihnen schwer gefallen sein, denn solch ein toller Hund findet man wirklich sehr selten. Clarissa2.334x221Unterwegs wurden wir schon einige Male auf Kessi angesprochen, und jeder wollte sie gleich mit nach Hause nehmen. Aber natürlich würden sie um Alles in der Welt nicht mehr hergeben. Eigentlich hatte ich mich auf einige Probleme mit ihr eingestellt. Dass sie so problemlos ist, das hätten wir nicht zu hoffen gewagt. Sie benimmt sich, als hätte sie schon immer zu uns gehört, folgt mir auf Schritt u. Tritt. Sie werden es vielleicht nicht glauben, und meinen, ich sei verantwortungslos, aber ich kann sie tatsächlich draussen schon frei laufen lassen. Sie schaut ständig nach mir, und selbst wenn sie etwas zu weit vorläuft, rennt sie sofort auf das Hörzeichen "Kessi Hier" zu mir, und holt sich ihr Leckerli ab. Auch unter Ablenkung (wenn z. B. ein anderer Hund, Radfahrer u. ä. auf uns zukommt) klappt das ganz hervorragend. Biege ich in einen Feldweg ein, ohne sie vorher zu rufen, dann fegt sie in Sekundenschnelle um die Ecke, und Clarissa.370x245ihr Gesichtsausdruck sagt mir: "Gott sei dank, da bist du ja!" Da wir hier in einer wirklich schönen Gegend wohnen, und ich sie laufen lassen kann, kann sie sich jetzt täglich nach Herzenslust austoben. Abends fällt sie dann buchstäblich todmüde ins Bett. Ich hätte es vorher nie für möglich gehalten, dass ein Strassenhund innerhalb so kurzer Zeit solch eine starke Bindung aufbauen kann. Halten wir ein Mittags-schläfchen, kriecht sie mit mir unter die Decke und schläft schnell ein. Sie hat ein unglaublich grosses Vertrauen zu mir. So einen Schmusehund haben wir uns schon immer gewünscht. Unsere Beardies sind leider nur verschmust, wenn die Kühlschranktür aufgeht *grins *. Sie sind halt schon sehr verwöhnt, müssen sich ja nicht extra die Mühe machen, zu mir zu kommen, weil Frauchen ja immer kommt, grault u. schmust. Dank Ihrer Vorarbeit ist Kessi jetzt auch schon leinenführig. Fahrradfahrer u. Jogger schaut sie interessiert entgegen, lässt sie aber unbehelligt passieren. Vögel u. Mäusen jagt sie gerne hinterher, während sie Hasen ignoriert. Auch Katzen akzeptiert sie. Sie hätte sich also auch in einen Haushalt mit Katzen ohne weiteres integriert. Vor fremden Menschen hat sie mittlerweile fast gar keine Scheu mehr. Nahezu alle unsere Freunde u. Bekannten haben selbst Hunde, und offensichtlich hat sie schnell gemerkt, dass das keine "bösen" Menschen sind u. ihr nichts tun. Kessi ist sehr anpassungsfähig. Meist überwiegt bei fremden Geräuschen oder Dingen ihre Neugier. Stellt sie dann fest, dass ihr nichts geschieht, dann ist sie sofort aufgeschlossen. Bei einem Beardie ist das ganz anders. In solchen Situationen hätte ich dann ein zitterndes Fellbündel auf dem Weg sitzen, das nicht weitergehen will. Ich denke, es hat auch viel damit zu tun, dass Kessi nicht von Menschen behütet aufgewachsen ist, und ihr nichts anderes übrig blieb, als sich immer wieder auf neue Situation einzustellen. Das kommt ihr (und uns) jetzt zugute.
Gestern waren wir zum ersten Mal auf dem Hundeplatz. Die Hunde dort sind alle gut sozialisiert, und deshalb hatte Kessi viel Spass beim Spielen. Wir haben sie auch schon mal durch den Tunnel und über den Laufsteg (extra niedrig gestellt für Welpen u. Junghunde) laufen lassen. Alle Anwesenden haben gestaunt. Sie hatte überhaupt keine Berührungsängste mit den Hindernissen, lief auch über den Laufsteg, als hätte sie das schon 1000 x gemacht. Ich kann jetzt schon sagen, dass sie mal ein super Agility-Hund wird. Bis dahin lassen wir ihr und uns aber noch jede Menge Zeit. Zunächst einmal soll sie die Grunder-ziehung erfolgreich abschliessen und so nebenbei lernt sie dann immer mal wieder ein neues Hindernis kennen. Wir sind auch mit der Agility-Ausbildung sehr vorsichtig, denn sie ist ja noch sehr jung, und darf, weil sie ja noch nicht ganz ausgewachsen ist, einige Hindernisse noch gar nicht machen (hohe Sprünge, A-Wand, Slalom u.ä.).
Von ihrem momentanen Verhalten her bin ich davon überzeugt, dass sie glaubt, sie sei im Paradies gelandet. Sie lässt mich nicht aus den Augen. Selbst wenn sie tief schläft, und ich stehe auf, ist sie sofort wach, u. läuft mir hinterher. Während ich das hier schreibe, liegt sie schon wieder auf meinem Schoss, und schmust was das Zeug hält. Wer kann schon solch einem Hund wiederstehen! Ich kann Ihnen für Kessi gar nicht genug danken. Sie ist wirklich ein Schatz, und Ihre Arbeit ist alle Anerkennung wert! Ich hoffe, sie haben noch lange die Kraft, um Leben zu retten. Selbst wenn es nur ein Leben wäre, dann wäre es die ganze Mühe wert. Unsere Kessi hat ein wunderschönes Leben bei uns vor sich, und ich glaube, irgendwie spürt sie das auch. Sie lacht u. wedelt mich ständig an. Ich verspreche Ihnen, dass Sie spätestens nächste Woche die ersten Bilder von Kessi bekommen.

Viele liebe und wuffige Grüsse
B. E. mit den Vierbeinern Merlin, Zottel & Kessi